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Schulze, Anke:
ISBN 9783862471669
Ausgewogen? Übergewicht und seine Bedeutung in gesundheitlichem, psychischem und sozialem Zusammenhang # Pb., 400 S., 33 Abb.
SCHLAGWORTE:
Diät
Ess-Störung
Schönheitsideal
Stigma
Prävention
Übergewicht
Übergewicht und Adipositas werden von Gesundheits- wie Krankheitsexperten als Probleme gravierender "Größenordnung" skizziert. Sie können gesundheitliche Probleme verursachen, tun dies aber nicht zwangsläufig. Mit der Neigung zur medizinischen Einordnung von Übergewicht als Krankheit bzw. der Einstufung übermäßigen Essens als Ess-Störung kommt es nur zu einer scheinbaren Entlastung hiervon Betroffener. Die (Wieder)Erlangung der Kontrollfähigkeit der Nahrungszufuhr hinsichtlich Menge, Art und Zusammenstellung, aber auch die Fähigkeit, den eigenen Körper durch Bewegung (Sport) zu ertüchtigen, bilden den Kern der meisten therapeutischen Interventionsprogramme - und dies nicht erst in unserer Zeit. Diät wurde zum Korsett der modernen Menschen.
Schlankheit und Schönheit scheinen untrennbar mit der Vorstellung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit verbunden. Der Druck, der auf übergewichtigen Menschen lastet, ist enorm. In diesem Zusammenhang bezeugt nur derjenige seine "Gesellschaftsfähigkeit", der in der Lage ist, mit einem sichtbar schlanken Körper den Nachweis von Selbstkontrolle anzutreten. Das mit der bürgerlichen Gesellschaft entstehende schlanke Schönheitsideal, das nach und nach mit einem sich etablierenden und zunehmend an Macht gewinnenden Bürgertum in nahezu alle Ränge der Gesellschaft vorgedrungen ist, hält sich bis in unsere Tage, teils in verschärfter Form. Übergewichtige sind in den Blickwinkel von unterschiedlichen Expertengruppen, die sich der Gesundheit verpflichtet sehen, geraten und sehen sich quasi rundum mit Stigmatisierungen konfrontiert, die nicht zuletzt Anteil an einem gewichtigen Leiden haben.
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