|

Döring, Frank und Ströhle, Alexander:
ISBN 9783899598476
Die Ernährungsforschung im Zeitalter der Molekularisierung oder: Was heißt und zu welchem Ende treibt man Ernährungswissenschaft? Schriftenreihe des Instituts für Humanernährung und Lebensmittelkunde der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Bd. 51 # Pb., 62 S., 2 Abb.
SCHLAGWORTE:
Ernährungsforschung, molekulare
Ernährungswissenschaft
Wissenschaftstheorie
Philosophie
Diese Arbeit stellt einen Entwurf zur wissenschaftstheoretischen Grundlegung der Ernährungswissenschaft vor. Zunächst erfolgt eine Analyse des vieldiskutierten wissenschaftlichen Status der Ernährungswissenschaft im Kanon der übrigen Wissenschaftsdisziplinen. Hierzu wird geprüft, ob die Ernährungswissenschaft die üblichen Merkmale einer Realwissenschaft aufweist. Es zeigt sich, dass die Ernährungswissenschaft beim Gegenstandsbereich, bei den Zielen und bei der Problematik konzeptionelle Schwierigkeiten aufweist. Hier wird die These vertreten, dass der Gegenstandsbereich der Ernährungswissenschaft, nämlich die Ernährung, eine Form der Organismus-Umwelt-Interaktion darstellt. Diese wird adäquat erfasst, wenn biotische, psychische und soziale Aspekte berücksichtigt werden. Als biopsychosoziale Multidisziplin ist die Ernährungswissenschaft weder eine reine Natur- noch eine reine Sozialwissenschaft. Ernährungswissenschaft kann und sollte sowohl als Grundlagen- und als angewandte Wissenschaft sowie als Technologie betrieben werden. Da in der Forschungsgemeinschaft keine klare Formulierung von ungelösten ernährungswissenschaftlichen Problemen vorliegt, ist die Problemstellung in der Ernährungswissenschaft entsprechend diffus. Für den Fortschritt der Disziplin wäre es hilfreich, wenn eine derartige Problemsammlung angefertigt würde.
Im zweiten Teil der Arbeit werden die kognitiven Ziele der Ernährungswissenschaft vorgestellt und eine Standortbestimmung der molekularen Ernährungsforschung gegeben. Wie jede andere Realwissenschaft, verfolgt die Ernährungswissenschaft die kognitiven Ziele "Beschreibung", "Subsumption" und "Erklärung", wobei sie sich von einer rein beschreibenden hin zu einer erklärenden Disziplin entwickelt hat. Die molekulare Ernährungsforschung ist Ausdruck des Bestrebens, tiefe mechanismische Erklärungen zu formulieren. Methodologisch verfolgt die molekulare Ernährungsforschung einen moderat-mikroreduktionistischen Forschungsansatz, indem sie Reduktion mit Integration kombiniert. Da der Fokus auf den biologischen Aspekten von "Ernährung" beruht, lässt sich die molekulare Ernährungsforschung als eine spezielle Form der Biowissenschaft betrachten. Als Multidisziplin ist sie an der Schnittstelle anderer Biodisziplinen anzusiedeln.
|
|
|
|
|
|
|
 |
|