Ina Jekeli

Ambivalenz
und Ambivalenztoleranz


Soziologie an der Schnittstelle von Psyche
und Sozialität


Osnabrück: Der Andere Verlag, 2002
ISBN 3-936231-29-X
Pb, 304 S.,  EUR 31,90

Ambivalenz ist ein Phänomen, von dem soziales Leben allenthalben durchzogen ist. Kaum je ist eine Entscheidung vollkommen eindeutig; selten sind wir sicher, was andere unsgegenüber empfinden; und oft haben wir selbst gemischte Gefühle. All das sind Ambivalenzen; Ambivalenzen kognitiver, evaluativer und emotionaler Art. Sie sind Teil des täglichen Lebens, im Streit mit dem Partner wie am Verhandlungstisch oder beim Arztbesuch. Ambivalenzen sind oft nicht leicht zu ertragen; sie verursachen Unsicherheit, Unbehagen und Angst. Diese Reaktionen aber beruhen nicht auf den Ambivalenzen allein; sie sind vielmehr mitbestimmt durch das Maß an Ambivalenztoleranz, das der Einzelne mit sich bringt. Ambivalenztoleranz, das ist: die Fähigkeit, Ambivalenzen wahrzunehmen, zu ertragen und in ihnen handlungsfähig zu bleiben; sie nicht als bedrohlich zu empfinden, sondern sie als einen notwendigen Teil der sozialen Welt wahrzunehmen. Die jeweilige Ambivalenztoleranz eines Menschen wird im Lauf seiner Sozialisation ausgebildet. Sie strukturiert die Art und Weise, wie er oder sie Ambivalenzen wahrnimmt oder leugnet, vermeidet oder bearbeitet. Aus diesem Grund verbindet die vorliegende Arbeit psychische und soziale Bezüge; denn in der sozialen Interaktion der Familie entsteht die psychische Größe Ambivalenztoleranz und bestimmt in der Folge, wie - sozial erzeugte - Ambivalenzen intrapsychisch verarbeitet werden und sich wiederum sozial äußern.

Die Arbeit rekapituliert die vorliegende Literatur zu Ambivalenz und Ambivalenztoleranz und entwickelt das komplexe Wechselverhältnis zwischen beiden Größen sowie ihren psychischen und sozialen Bedingungsfaktoren in verschiedenen Feldern des Sozialen. Dabei bleibt der Zugang - bei aller notwendigen und gesuchten Vermittlung zwischen den Disziplinen - ein genuin soziologischer.



Ina Jekeli, Jahrgang 1972, studierte in Mainz, Tübingen und Paris Soziologie, Geschichte und Politikwissenschaft und promovierte anschließend in Tübingen. Derzeit ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt zur Heimerziehung tätig.