Fast jeder, der gern kocht, hat irgendwann den Gedanken: Daraus könnte man ein Kochbuch machen. Der Weg von der Rezeptsammlung im Notizbuch zum gedruckten Buch ist heute kürzer als je zuvor, weil Selfpublishing-Plattformen die Hürde des Verlags überflüssig machen.
Was bleibt, ist die Arbeit am Inhalt. Diese acht Schritte führen von der ersten Idee bis zum fertigen Kochbuch.
Schritt 1: Das Konzept festlegen
Ein Kochbuch ohne roten Faden verkauft sich nicht. Die wichtigste Entscheidung fällt ganz am Anfang: Wofür steht Ihr Kochbuch?
Bewährte Konzepte sind:
- Nach Region. Die Küche einer Landschaft, einer Stadt oder eines Landes.
- Nach Zielgruppe. Kochen für Studenten, für Familien, für Berufstätige mit wenig Zeit.
- Nach Ernährungsform. Vegan, glutenfrei, Low Carb, für Allergiker.
- Nach Anlass. Weihnachtsbäckerei, Grillbuch, Einmachrezepte.
- Nach Geschichte. Familienrezepte über drei Generationen, mit persönlichen Erinnerungen.
Der letzte Ansatz funktioniert besonders gut, wenn Sie ein Rezeptbuch für den kleinen Kreis schreiben. Ein Kochbuch mit den Rezepten der Großmutter und den dazugehörigen Geschichten ist als Geschenk unbezahlbar, auch wenn es nie in den Handel kommt.
Legen Sie außerdem den Umfang fest. Ein solides Kochbuch enthält 40 bis 80 Rezepte. Weniger wirkt dünn, deutlich mehr erhöht den Aufwand für Fotos und Test erheblich.
Schritt 2: Rezepte sammeln und strukturieren
Sammeln Sie zunächst mehr Rezepte, als Sie brauchen. Ein Drittel fällt beim Testen und Sortieren ohnehin weg.
Ordnen Sie das Material anschließend in Kapitel. Klassisch nach Gängen (Vorspeisen, Hauptgerichte, Desserts), alternativ nach Jahreszeiten, Zubereitungsart oder Zeitaufwand. Die Struktur sollte für den Leser sofort verständlich sein.
Wichtig ist Ausgewogenheit. Ein Kochbuch mit 30 Kuchenrezepten und drei Hauptgerichten wirkt unfertig, es sei denn, Sie schreiben ausdrücklich ein Backbuch.
Schritt 3: Rezepte einheitlich aufschreiben
Hier entscheidet sich, ob Ihr Kochbuch benutzbar ist. Jedes Rezept sollten Sie nach derselben Struktur schreiben:
| Element | Was hineingehört |
|---|---|
| Titel | kurz und konkret, kein Wortspiel ohne Erklärung |
| Portionsangabe | für wie viele Personen |
| Zeitangabe | Vorbereitung und Gesamtzeit getrennt |
| Zutatenliste | in Reihenfolge der Verwendung, mit exakten Mengen |
| Zubereitung | nummerierte Schritte, ein Arbeitsgang pro Schritt |
| Tipps | Varianten, Aufbewahrung, was sich vorbereiten lässt |
Eine einheitliche Struktur macht den Unterschied zwischen einem Rezeptbuch und einer Sammlung loser Notizen.
Achten Sie auf präzise Formulierungen. „Etwas Mehl" hilft niemandem, „2 EL Mehl" schon. Einheiten sollten im ganzen Kochbuch gleich sein: entweder durchgehend Gramm oder durchgehend Esslöffel, nicht gemischt.
Ein Test, der sich lohnt: Geben Sie ein Rezept jemandem, der nicht regelmäßig kocht. Was diese Person nicht versteht, haben Sie zu ungenau geschrieben.
Schritt 4: Alle Rezepte nachkochen lassen
Dieser Schritt wird am häufigsten übersprungen und rächt sich später. Jedes Rezept muss mindestens einmal von jemand anderem nachgekocht werden, der nur den geschriebenen Text hat.
Dabei fallen typische Fehler auf: vergessene Zutaten, unrealistische Garzeiten, fehlende Zwischenschritte. Wer selbst kocht, ergänzt automatisch aus Erfahrung, was im Text fehlt.
Notieren Sie bei jedem Testkochen, wie lange die Zubereitung tatsächlich gedauert hat. Die Zeitangaben in vielen Kochbüchern sind zu optimistisch, was Leser frustriert. Schreiben Sie lieber die realistische Dauer auf.
Schritt 5: Fotos machen oder machen lassen
Die Bilder sind das Herzstück eines Kochbuchs und bestimmen die Gestaltung maßgeblich. Bei einem Rezeptbuch für den privaten Kreis genügen gute Handyfotos, für ein Kochbuch im Handel sollten die Aufnahmen professionell wirken.
Fünf Regeln bringen deutlich bessere Ergebnisse:
- Nur Tageslicht nutzen. Am Fenster fotografieren, nie mit Blitz oder Deckenlampe. Küchenbeleuchtung erzeugt gelbe Farbstiche.
- Seitliches Licht wählen. Licht von der Seite oder von hinten lässt Speisen plastisch wirken. Frontales Licht macht sie flach.
- Ruhigen Hintergrund verwenden. Ein Holzbrett, ein Leinentuch, eine schlichte Platte. Alles Bunte lenkt vom Gericht ab.
- Aus zwei Perspektiven fotografieren. Von oben für flache Gerichte wie Salate, schräg von der Seite für alles mit Höhe.
- Sofort fotografieren. Warme Gerichte sehen nach fünf Minuten deutlich schlechter aus. Alles vorbereiten, dann anrichten und direkt auslösen.
Wer die Bilder auch für soziale Netzwerke nutzen will, sollte gleich an Bewegtbild denken. Praktische Hinweise dazu, wie kurze Kochvideos funktionieren, gibt Kitcheness mit Tipps für gute Rezept-Reels.
Planen Sie ausreichend Zeit ein: Für 50 Rezepte mit Fotos brauchen Sie realistisch acht bis zwölf ganze Tage.
Schritt 6: Gestaltung und Layout
Die Gestaltung entscheidet darüber, ob ein Kochbuch beim Durchblättern überzeugt. Bei der Gestaltung des Layouts sind diese Punkte wichtig:
Eine Doppelseite pro Rezept. Links das Foto, rechts der Text ist der bewährte Aufbau. Bei kurzen Rezepten funktionieren auch zwei pro Seite.
Große Schrift für die Zubereitung. Ein Kochbuch wird im Stehen gelesen, mit Abstand zur Arbeitsfläche. Unter 10 Punkt wird die Gestaltung unbequem.
Zutatenliste optisch abgesetzt. Eigene Spalte oder farbig hinterlegt, damit sie beim Einkaufen schnell zu finden ist.
Verzeichnis am Ende. Ein alphabetisches Register nach Gerichten und eines nach Hauptzutaten. Letzteres nutzen Leser häufiger, als man denkt.
Für die Gestaltung stehen Vorlagen der Selfpublishing-Anbieter bereit. Wer ein professionell gestaltetes Kochbuch möchte, beauftragt einen Buchgestalter, was ab etwa 1.500 Euro beginnt.
Schritt 7: Das Kochbuch veröffentlichen
Drei Wege stehen offen:
Klassischer Verlag. Sie brauchen ein Exposé und meist eine bestehende Reichweite. Die Wartezeit bis zur Veröffentlichung beträgt oft ein Jahr. Dafür übernimmt der Verlag Lektorat, Gestaltung und Vertrieb.
Selfpublishing über eine Plattform. Sie behalten die Kontrolle über Inhalt und Gestaltung und veröffentlichen Ihr Kochbuch innerhalb weniger Wochen. Der Verdienst liegt typischerweise zwischen 2 und 10 Euro pro verkauftem Buch. Anbieter wie BoD, epubli oder tredition bieten Print-on-Demand an, sodass keine Vorabkosten für eine Auflage entstehen.
Privatdruck. Für Familienbücher die einfachste Variante. Eine Kleinstauflage von 20 bis 50 Exemplaren kostet je nach Umfang 15 bis 40 Euro pro Buch.
Bei den ersten beiden Varianten brauchen Sie eine ISBN. Ohne sie können Buchhandlungen Ihr Kochbuch nicht bestellen. Die Selfpublishing-Anbieter vergeben sie kostenlos oder gegen kleine Gebühr. Pflichtexemplare gehen zudem an die Deutsche Nationalbibliothek, die jede in Deutschland erschienene Publikation sammelt.
Schritt 8: Rechtliche Punkte klären
Zwei Dinge sollten Sie prüfen, bevor das Buch erscheint:
Rezepte sind nicht urheberrechtlich geschützt. Die reine Abfolge von Zutaten und Arbeitsschritten ist eine Anleitung, kein geschütztes Werk. Der begleitende Text dagegen schon. Sie dürfen also ein bekanntes Gericht nachkochen und selbst beschreiben, aber nicht die Formulierungen aus einem fremden Kochbuch übernehmen.
Bildrechte klären. Verwenden Sie nur eigene Fotos oder solche mit eindeutiger Lizenz. Bei Aufnahmen, auf denen Personen zu sehen sind, brauchen Sie deren Einverständnis. Wer analoge Erinnerungsstücke ins Buch aufnimmt, etwa handgeschriebene Rezeptkarten, sollte das ebenfalls klären. Gerade solche Originale machen ein Familienkochbuch besonders, wie der Beitrag über die stille Macht der analogen Dinge beschreibt.
Wer Markennamen nennt, sollte sparsam damit umgehen. „Eine Packung Vanillezucker" ist unproblematisch, ein Rezept, das durchgehend eine Marke bewirbt, kann als Werbung gelten und Kennzeichnungspflichten auslösen.
Das Wichtigste in Kürze
- Legen Sie zuerst das Konzept fest: Region, Zielgruppe, Ernährungsform oder Anlass.
- 40 bis 80 Rezepte sind ein guter Umfang, wenn Sie ein Kochbuch schreiben.
- Jedes Rezept braucht dieselbe Struktur mit Portionen, Zeiten, Zutaten und nummerierten Schritten.
- Lassen Sie alle Rezepte von jemand anderem nachkochen, bevor Sie veröffentlichen.
- Selfpublishing macht die Veröffentlichung ohne Verlag in wenigen Wochen möglich.
Der größte Fehler beim Kochbuch schreiben ist, mit den Fotos und der Gestaltung anzufangen. Erst wenn Konzept, Struktur und getestete Rezepte stehen, lohnt sich der Aufwand für die Bilder. Wer diese Reihenfolge einhält, spart sich das doppelte Fotografieren, weil sich Rezepte im Nachhinein noch ändern. Nebenbei entsteht dabei oft ein bewussterer Umgang mit Zutaten, ähnlich wie bei nachhaltigen Küchenpraktiken, bei denen Reste konsequent weiterverwendet werden.

