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Was in der westlichen Welt gemeinhin unter Kunst verstanden und wie mit ihr umgegangen wird, stellt das Ergebnis Jahrhunderte alter Entwicklungen dar. Daher verwundert es nicht, dass Kunstwerke in anderen Kulturen - selbst innerhalb unserer Gesellschaft - ganz andere Aufgaben erfüllen als nur jene, die ästhetische Erfahrung bedeutungsvoller Werke zu ermöglichen. So bekreuzigen sich zum Beispiel Gläubige vor Ikonen, legen Diplomaten Kränze am Denkmal des unbekannten Soldaten nieder, geben sich Jugendliche in der Diskothek den Klängen meditativer Trance-Musik hin, ohne ihr im eigentlichen Sinne zuzuhören. Die Vielfalt der pragmatischen Zusammenhänge, in die Kunstwerke eingebettet sind, wurde oft beobachtet, jedoch noch nie systematisch erschlossen.
Die vorliegende Untersuchung hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu analysieren, wie es dazu kommt, dass sich Menschen in verschiedensten sozialen Umständen unterschiedlich gegenüber Kunstwerken verhalten. Im besonderen will die Arbeit erklären, wie die verschiedenen Kontexte das Verstehen von Kunstwerken unterschiedlich beeinflussen - nicht zuletzt deshalb, weil die neuzeitliche ästhetische Theorie im Gefolge Kants die kognitve Komponente der ästhetischen Erfahrung stets vernachlässigt hat. Im speziellen geht es schließlich darum, zu erschließen, wie jene sozialen Umstände zu charakterisieren sind, in denen die ästhetische Erfahrung der Kunstwerke selbst im Mittelpunkt steht - Galerien und Museen etwa. Um diese Fragen zu beantworten, bedient sich die Arbeit des in der analytischen und der pragmatischen Philosophie entwickelten Instrumentariums - ohne die Modelle und Begrifflichkeit von H.P. Grice, Jürgen Habermas, Gottlob Frege, Nelson Goodman und Pierre Bourdieu hätten die vorliegenden Ergebnisse nicht erzielt werden können. Sie klären wichtige Aspekte der sozialen Rolle von Kunst nicht nur mit intuitiv eingängigen Begriffen.
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